Freitag, 01. Juli 2011
Binnenschifffahrt in der Oder/Havel-Region - Anspruch und Realismus
Verladende Wirtschaft fordert schiffbare Wasserstraßen

Reinhold Dellmann (MdL), Minister Jörg Vogelsänger (Mitte) und Felix Stenschke (BMVBS) in der Diskussion.

Dietmar Wermke (MIL) bekommt von Andreas Amberg (Saint-Gobain RIGIPS) symbolsch einen zerbrochenen Spaten überreicht (Fotos: Dr. Teßmann).
Potsdam, 29.06.2011 - Die Weiterentwicklung der Schifffahrt und Wasserstraßen in der Oder/Havel-Region stand im Mittelpunkt des 15. Internationalen Oder/Havel-Colloquiums am 29.06.2011 in Potsdam.
Droht die Binnenschifffahrt im Osten Deutschlands in die Bedeutungslosigkeit zu versinken? Das ist die zentrale Fragestellung, die die Politik, die Binnenschifffahrtsbranche und die verladende Wirtschaft in der Region Berlin-Brandenburg seit Monaten beschäftigt und die auch im Mittelpunkt des Vortrags- und Diskussionsprogramms der Veranstaltung stand. Hintergrund ist der von der Bundesregierung im Zusammenhang mit der Reform der Wasserstraßenverwaltung und der Neustrukturierung des Wasserstraßennetzes geplante Ausbaustopp der Wasserstraßen, von dem vor allem auch die Hauptstadtregion z. B. mit den Schleusen Kleinmachnow und Fürstenwalde betroffen ist.
Brandenburgs Infrastruktur- und Landwirtschaftsminister Jörg Vogelsänger erläuterte die Nutzungsansprüche an die 600 km langen schiffbaren Wasserstraßen in Brandenburg aus landesverkehrspolitischer Sicht. Er zeigte sich optimistisch, dass der politische Druck Erfolg haben wird, dass auch künftig Investitionen in die Wasserstraßen Brandenburgs stattfinden werden, um den erforderlichen Ausbauzustand zu erreichen.
Eine große Bedeutung kommt dabei der Steigerung des Verkehrsaufkommens auf den Wasserstraßen zu. Eine besondere Vortragssequenz des Colloquiums befasste sich in diesem Zusammenhang mit der Nachfrage der verladenden Wirtschaft nach schiffbaren Wasserstraßen.
Andreas Amberg, Supply Chain Manager im Werk Brieselang von Saint-Gobain RIGIPS, einem Mitgliedsunternehmen des LogistikNetzes Berlin-Brandenburg, wies anhand von konkreten Relationen nach, dass in den letzten 6 Jahren ca. 150.000 t an geeigneter Wasserstraßentonnage nicht per Binnenschiff sondern per Eisenbahn und Lkw nach und von Brieselang transportiert wurden. Gleichzeitig zeigte er die Potenziale für die künftige Nutzung "intakter" Wasserstraßen auf. In diesem Zusammenhang verwies er auf die aktive Teilnahme seines Unternehmens an der Aktion vom LNBB und der Initiative „Weitblick – Binnenschifffahrt PLUS“ anlässlich der Frühjahrskonferenz der Verkehrsminister von Bund und Ländern Anfang April 2011 in Potsdam. Als Vertreter der verladenden Wirtschaft mit binnenschiffsaffinem Gutaufkommen forderte er mit Nachdruck, "an dem Ziel, ökologische und ökonomische Verkehrswege in Gestalt der Wasserstraßen zu schaffen" uneingeschränkt festzuhalten.
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